
Und noch entscheidender: Warum glauben Sie es?
Gerade für Unternehmer:innen ist diese Frage zentral. Denn zwischen Verantwortung, Wachstum, Führung und gesellschaftlicher Erwartung entsteht schnell ein inneres Dauer-„Muss“.
Genau hier setzt „Einen Scheiß musst Du – außer sterben“ von Heiko Weissinger an – mit einem klaren Plädoyer für
Selbstbestimmung statt Erwartungsdruck.
Selbstbestimmung statt Erwartungsdruck – eine Führungsfrage
Unternehmer:innen stehen permanent im Spannungsfeld äußerer Erwartungen:
- Kund:innen erwarten Ergebnisse.
- Mitarbeitende erwarten Orientierung.
- Partner:innen erwarten Stabilität.
- Die Gesellschaft erwartet Erfolg.
Was dabei häufig übersehen wird: Der stärkste Erwartungsdruck entsteht im Inneren. Wer dauerhaft aus Druck handelt, trifft eher defensive Entscheidungen, führt reaktiv statt strategisch, verliert den Zugang zur eigenen Haltung und definiert sich über Leistung statt über Werte.
Das Buch macht deutlich: Selbstbestimmung statt Erwartungsdruck ist keine Komfortfrage. Es ist eine Frage der inneren Führung.
Kapitel 8: Eine Begegnung, die Selbstführung erlebbar macht
Besonders eindrücklich wird diese Botschaft in Kapitel 8. Hier beschreibt der Autor ein Seminar, das er bei mir besucht hat – ursprünglich aus Fortbildungspflicht. Was als formaler Termin beginnt, entwickelt sich – seinen Worten nach – zu einer tiefen persönlichen Erkenntnis.
Er schildert einen Moment, in dem sich sein innerer Druck plötzlich auflöst: „Und plötzlich musste ich nichts mehr. Ich musste nicht funktionieren. Ich musste nicht ernst sein. Ich durfte – zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit […] albern sein.“
Diese Passage berührt, weil sie ein verbreitetes Führungsnarrativ offenlegt: Mit wachsender Verantwortung müsse Ernsthaftigkeit dominieren. Funktionieren statt fühlen. Stärke statt Lebendigkeit.
Der Autor stellt die entscheidende Frage:
„Wer hat sich eigentlich das Recht genommen zu sagen: So, jetzt bist Du alt genug – ab jetzt wird nur noch funktioniert? […] Ab jetzt darfst Du keine Kindlichkeit mehr zeigen – weil Du Führungskraft bist?“
Und seine Antwort ist radikal ehrlich:
„Wer hatte das eigentlich gesagt? Nicht meine Chefs. Nicht der Konzern. Nicht mal mein Vater. Ich. Ich war’s.“
Hier verdichtet sich das Kernmotiv des Buches: Nicht äußere Strukturen erzeugen den Erwartungsdruck – oft sind es die eigenen inneren Regeln. Selbstbestimmung statt Erwartungsdruck beginnt genau in diesem Moment der Selbstverantwortung.
Spannend ist auch seine Parallele zum Film „Alles steht Kopf“:
„Ein Film, den ich nicht belächeln würde. Kein Kinderkram. Kein Popcorn. Eher ein Spiegel. Ein Riesenspiegel statt einer Kinoleinwand.“
Auch wenn er psychologische Modelle nicht akademisch differenziert ausführt, bleibt seine Kernaussage klar: Er sitzt am Steuer seines Lebens. Andere Menschen haben Erwartungen – doch er ist nicht auf dieser Welt, um sie automatisch zu erfüllen.
Impuls für Unternehmer:innen: Führung beginnt innen. Selbstführung ist kein theoretisches Konzept, sondern eine bewusste Entscheidung.
Stil und Wirkung des Buches
Die Sprache ist direkt, teilweise provokant – aber nie oberflächlich. Es geht nicht um Rebellion gegen Verantwortung, sondern um bewusste Entscheidung. Das Buch fordert heraus:
- Welche Regeln haben Sie sich selbst auferlegt?
- Welche Erwartungen tragen Sie weiter, obwohl sie längst überholt sind?
- Wo verwechseln Sie Professionalität mit Daueranspannung?
Fazit: Selbstbestimmung statt Erwartungsdruck ist eine innere Entscheidung
„Einen Scheiß musst Du – außer sterben“ ist kein Revoluzzer-Manifest. Es ist ein Spiegel. Ein Spiegel für Unternehmer:innen, die viel Verantwortung tragen – und dabei manchmal unbemerkt eigene innere Regeln verabsolutieren.
Selbstbestimmung bedeutet nicht, Erwartungen anderer radikal zurückzuweisen. Selbstbestimmung bedeutet, bewusst zu prüfen, welche Erwartungen Sie übernehmen – und welche nicht. Genau hier beginnt professionelle Selbstführung.
In meiner Arbeit mit Unternehmer:innen und Führungskräften erlebe ich immer wieder, dass äußere Herausforderungen selten das eigentliche Problem sind. Wachstum, Transformation, Führungsfragen – all das ist gestaltbar. Was oft unbewusst wirkt, sind innere Antreiber:
- „Ich muss stark sein.“
- „Ich darf keine Schwäche zeigen.“
- „Ich muss funktionieren.“
- „Ich darf mir keinen Zweifel erlauben.“
Kapitel 8 macht deutlich: Diese Sätze kommen selten von außen. Sie entstehen im Inneren – und genau dort dürfen sie auch hinterfragt werden. Selbstbestimmung statt Erwartungsdruck ist kein theoretisches Konzept. Es ist ein Prozess. Ein innerer Positionswechsel. Manchmal ein stiller, manchmal ein radikaler.
Das Buch liefert dafür einen ehrlichen Impuls. Die eigentliche Arbeit beginnt jedoch dort, wo Reflexion in bewusste Entscheidung übergeht. Und das ist letztlich die zentrale Führungsaufgabe: Nicht Erwartungen zu erfüllen – sondern aus Klarheit heraus zu führen.
Wenn Sie sich ebenfalls in Richtung Selbstbestimmung statt Erwartungsdruck entwickeln möchten, finden Sie in meiner Business Coach-Ausbildung sowie in meinen Führungskräfte-Seminaren den passenden Raum für diesen nächsten Schritt.
Weissinger, Heiko: Einen Scheiß musst Du – außer sterben. (27. Juli 2025, Independently published)
Hinweis: Zitate aus dem Buch wurden in kurzen Auszügen im Rahmen der Rezension verwendet.
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