Führungsverhalten Symbolbild

Führungsverhalten

Führungsverhalten - und warum es so zentral ist

Mit Führungsverhalten ist per Definition die „aktivierende, ergebnis- und zielorientierte soziale Einflussnahme einer Führungsperson auf Mitarbeiter“ gemeint, die zum Ziel hat, „gemeinsame Aufgaben zu erfüllen und strukturierte Arbeitssituationen zu bewältigen“ (Gabler Wirtschaftslexikon). Führungsverhalten lässt sich in unterschiedlichen Führungsstilen beschreiben. Oder konkreter: Führungsverhalten ist gelebter Führungsstil. Und spätestens an dieser Stelle der wichtigste Hinweis: Führungsverhalten hat einen massiven Einfluss auf die Gesamtleistung eines Unternehmens. Viele behaupten sogar, das Führungsverhalten sei die mächtigste Stellschraube für den Unternehmenserfolg. Denn als Führungskraft fungieren Sie als Bindeglied zwischen Management und Mitarbeitern, Sie sind verantwortlich dafür, dass Ihr Team die Leistungen erbringt, die für das Erreichen der vom Management ausgegebenen Ziele notwendig ist. Und Ihre Verhaltensweise – die Art und Weise Ihrer „Einflussnahme auf Mitarbeiter“ um „Aufgaben zu erfüllen“ – sorgt maßgeblich dafür, ob und wie gut Ihre Mitarbeiter die von ihnen erwarteten Leistungen erbringen können.

Führungsverhalten: Arten und Führungsstile

Als Führungskraft setzen Sie Führungseigenschaften und Führungskompetenzen ein, um Ihre Führungsaufgaben bestmöglich zu erfüllen. Welchen Führungsstil Sie dabei als Leitlinie kultivieren, hängt zum einen von Ihrer Persönlichkeit ab, zum anderen aber auch davon, was Unternehmenskultur, operative Auslastung, Team- oder Abteilungsgröße und nicht zuletzt die Persönlichkeiten und Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter zulassen.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit unterschiedlichen Führungsverhalten hat zwar zahllose Führungsstil-Modelle hervorgebracht, diese dienen jedoch vor allem der Komplexitätsreduktion und sind nahezu nie in Reinkultur anzutreffen.

Die US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Robert Blake und Jane Mouton unterscheiden in ihrem Modell des “Managerial Grid” zwei Arten bzw. Dimensionen von Führungsverhalten: mitarbeiter- bzw. beziehungsorientiertes Führungsverhalten sowie aufgabenorientiertes Führungsverhalten.

Mitarbeiterorientiertes Führungsverhalten

Ein mitarbeiterorientiertes Führungsverhalten bedeutet, dass Sie die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeiter in den Vordergrund stellen. Mitarbeiter- bzw. beziehungsorientiertes Führungsverhalten strebt u.a. folgende Ziele an:

  • höhere Mitarbeiterzufriedenheit und -motivation: Wenn Ihre Mitarbeiter merken, dass Ihnen ihre Bedürfnisse und Wünsche wichtig sind, fühlen sie sich wertgeschätzt und sind motivierter, ihr Bestes zu geben.

  • höhere Produktivität: Zufriedene und motivierte Mitarbeiter sind in der Regel leistungsbereiter und produktiver. Sie spüren das in sie gesetzte Vertrauen - und geben es in Form guter Leistungen zurück.

  • erfolgreiche Mitarbeiterbindung: Wer zufrieden und motiviert ist, bleibt dem Unternehmen in der Regel länger treu als jemand, der sich übersehen oder zu wenig wertgeschätzt fühlt.

Aufgabenorientiertes Führungsverhalten

Ein aufgabenorientiertes Führungsverhalten bedeutet, dass Sie sich als Führungskraft auf die Erfüllung von Aufgaben und Zielen konzentrieren. Sie geben Ihrem Team klar definierte Ziele vor und sorgen dafür, dass notwendige Ressourcen und Unterstützung vorhanden sind, um diese Ziele zu erreichen. Gutes aufgabenorientiertes Führungsverhalten führt zu

  • einer klaren Zielorientierung: Jeder im Team weiß, worauf er sich fokussieren soll und wie er seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten kann.

  • Effizienz: Durch die klare Zielorientierung und klar definierte Zuständigkeiten können die Teammitglieder ihre Arbeitszeit produktiv nutzen und Reibungsverluste durch Unklarheiten werden vermieden.

In der Praxis wenden Sie als Führungskraft in der Regel eine Mischung aus beiden Ausrichtungen an: Sie investieren in die Beziehung zu Ihren Mitarbeitern sowie in deren Entwicklung und erreichen damit, dass Mitarbeiter ihre Aufgaben engagiert, kompetent und motiviert erfüllen. Und Sie sind gleichzeitig derjenige, der diese Aufgaben in Form von Zielen, Zuständigkeiten und Zeitvorgaben für die Mitarbeiter definiert.

Legen Sie in Ihrer Art der Mitarbeiterführung den Schwerpunkt mehr auf ein aufgabenorientiertes Führungsverhalten, wird Ihr Stil tendenziell eher autoritär bzw. hierarchisch ausgerichtet sein. Ist die beziehungsorientierte Seite Ihres Führungsverhaltens stärker ausgeprägt, wird Ihr Führungsstil eher in Richtung einer kooperativen bzw. demokratischen Führung tendieren.

Führungsverhalten von autoritär bis laissez-faire

Der deutsche Psychologe Kurt Lewin begründete in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Forschung den Ansatz, Führung aus verhaltenstheoretischer Sicht zu betrachten und nicht nur als Ergebnis von Persönlichkeitsmerkmalen der Führungskraft. Er unterschied drei Führungsstile: autoritär, demokratisch sowie laissez-faire.

Autoritärer
Führungsstil

Bei diesem Führungsverhalten trifft der Vorgesetzte alle Entscheidungen, ohne die Mitarbeiter in den Prozess einzubeziehen. Er verteilt die Aufgaben, definiert Ziele und Regeln und kontrolliert die Fortschritte. Von den Mitarbeitern wird erwartet, dass sie den Anweisungen und Vorgaben der Führungskraft ohne Diskussion folgen. Der Vorteil dieses Führungsstils: Entscheidungen werden schnell getroffen und umgesetzt. Das führt z.B. in Krisensituationen oder in Berufen, wo es auf jede Minute ankommt (Polizei, Feierwehr etc.) zu schneller Handlungsfähigkeit. Der Nachteil: Die Mitarbeiter haben kaum Handlungsspielraum, was sich negativ auf die Motivation auswirkt, Angst vor Fehlern schürt und zu „Dienst nach Vorschrift“ ohne Eigeninitiative führt.

Demokratischer
Führungsstil

Bei diesem Führungsansatz bezieht die Führungskraft ihre Mitarbeiter in Entscheidungsprozesse ein, Regeln und Ziele werden gemeinsam abgestimmt. Demokratische Führung setzt auf eigenverantwortliches Arbeiten der Mitarbeiter. Der Vorteil: Die Führungskraft kann Verantwortung abgeben und wird entlastet. Mitarbeiter erhalten Handlungsspielraum, Eigeninitiative ist ausdrücklich erwünscht, was zu höherer Arbeitszufriedenheit und Motivation der Mitarbeiter führt. Der Nachteil: Entscheidungsprozesse dauern länger. Kann die Führungskraft sich nicht gut durchsetzen, ziehen Projekte sich unter Umständen zu lange hin oder zerfasern ins Ziellose. Auch ist nicht jeder Mitarbeiter in der Lage, das für diesen Führungsstil erforderliche Maß an Eigenverantwortung aufzubringen.

Laissez-faire
Führungsstil

Wie der französische Begriff – „Lassen Sie machen“ – schon sagt, nimmt die Führungskraft bei diesem Ansatz kaum bis gar keinen Einfluss auf die Mitarbeiter. Diese legen selber Ziele und Regeln fest und kümmern sich vollständig eigenverantwortlich um ihre Aufgaben. Es findet keine Kontrolle statt. Der Vorteil: Mitarbeiter können sich voll entfalten (etwa in kreativen Berufen wie Design oder Musik). Ein hohes Maß an Eigenverantwortung kann zu starkem Involvement und hoher Motivation führen. Der Nachteil: Mitarbeiter können sich schnell orientierungslos fühlen, es fehlen klare Vorgaben und Strukturen. Das kann zu mangelnder Effizienz und Konflikten im Team führen und wird von manchen Mitarbeitern als Freifahrtschein zum Schlendrian ausgenutzt.

Für die von Lewin definierten Führungsstile lässt sich eine ähnliche Aussage treffen wie für die weiter oben erwähnten Grundströmungen der mitarbeiter- bzw. aufgabenorientierten Führung: Sie funktionieren am ehesten im Mix. Dies wird in der Führungstheorie gelegentlich als „situatives Führungsverhalten“ bezeichnet.

Agile Leadership

In der heutigen, hochkomplexen VUCA-Welt kommt es immer häufiger auf eine neue Art der Führung an, die auf die sich permanent und rasch verändernden Bedingungen besser eingehen kann als herkömmliches Führungsverhalten. Agile Führung soll dafür sorgen, dass ein Unternehmen sich so schnell und reibungslos wie möglich an diese Veränderungen anpassen kann. Agiles Führungsverhalten unterstützt Mitarbeiter auf Augenhöhe, die Führungskraft sucht gemeinsam mit dem Team nach Lösungen für neue Herausforderungen. Die Annahme: Mitarbeiter wissen oft besser als die Führungskraft, welche Aspekte für die zukünftige Entwicklung ihres Arbeitsbereichs relevant sind, denn sie stecken inhaltlich viel tiefer in ihren Themen. Daher beziehen Führungskräfte ihre Mitarbeiter auch in strategische Entscheidungen mit ein. Die Führungskraft vertraut dem Team und gewährt große Handlungsfreiheiten. Außerdem werden Erfolge und Misserfolge gezielt ausgewertet und als Lernerfahrung genutzt. Entsprechend wichtig sind bei agiler Führung daher in der Unternehmenskultur fest verankerte Fehlertoleranz und Lernbereitschaft.

9 Regeln für gutes Führungsverhalten

Als Führungskraft tragen Sie die Verantwortung für Ihre Mitarbeiter und für den Erfolg Ihres Teams. Um diese Aufgabe erfolgreich zu meistern, kommt es darauf an, Ihr Führungsverhalten bewusst zu gestalten. Diese neun Regeln für gutes Führungsverhalten können Ihnen dabei helfen.
  1. Seien Sie Vorbild

    Ihr Verhalten beeinflusst das Verhalten Ihrer Mitarbeiter. Leben Sie Ihren Mitarbeitern den Umgang und die Werte vor, die sie sich von ihnen wünschen.

  2. Kommunizieren Sie klar

    Formulieren Sie Ihre Erwartungen an Ihre Mitarbeiter klar und nachvollziehbar und vergewissern Sie sich, dass jeder Ihre Anweisungen verstanden hat. Kommunizieren Sie regelmäßig mit Ihren Mitarbeitern und sorgen Sie dafür, dass jedes Teammitglied über alle für ihn oder sie relevanten Informationen verfügt.

  3. Pflegen Sie die Beziehung zu Ihren Mitarbeitern

    Bleiben Sie im Austausch mit Ihren Mitarbeitern und schaffen Sie eine Atmosphäre, die Ihr Team ermutigt, sich mit wichtigen Themen oder Problemen an Sie zu wenden.

  4. Unterstützen Sie Teamarbeit

    Ein Team, das gut zusammenarbeitet, erreicht mehr als ein Team, in dem jeder isoliert vor sich hin werkelt. Fördern Sie die Zusammenarbeit Ihrer Mitarbeiter und stellen Sie sicher, dass jeder seine Stärken einbringen kann.

  5. Fordern und Fördern Sie

    Fordern Sie Ihre Mitarbeiter, ihr Bestes zu geben, und fördern Sie die Entwicklung und Weiterbildung Ihrer Mitarbeiter. Je besser Ihre Mitarbeiter sind, desto erfolgreicher wird auch Ihr Team sein.

  6. Seien Sie fair

    Behandeln Sie alle Ihre Mitarbeiter nach den selben Maßstäben und seien Sie fair in allen Entscheidungen.

  7. Hören Sie zu

    Hören Sie sich Meinungen und Ideen Ihrer Mitarbeiter an. Sie können wertvolle Perspektiven und Vorschläge einbringen, die Sie selber aus Ihrer Perspektive oder mit Ihrem fachlichen Hintergrund vielleicht gar nicht auf dem Schirm haben.

  8. Seien Sie flexibel

    Seien Sie bereit, Ihre Pläne und Entscheidungen anzupassen, wenn sich die Situation ändert. Eine flexible Führungskraft ist in der Lage, schnell auf Probleme und Herausforderungen zu reagieren.

  9. Bleiben Sie lernbereit

    Sehen Sie Fehler als Entwicklungs-Chance und sorgen Sie dafür, dass Sie und Ihre Mitarbeiter aus Misserfolgen ebenso lernen wie aus Erfolgen. Seien Sie Neuem und Veränderungen gegenüber aufgeschlossen. So behalten Sie in der VUCA-Welt den Anschluss.

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